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Der Bildungswert des Internet mit besonderer Berücksichtigung der Behinderten im Kontext der Weiterbildung

Diplomarbeit
von
Simon Janatzek

Inhalt:

1. Einleitung
2. Bildung im Internet
2. 1. Entstehung des Internets
2. 2. Herausforderungen an die Weiterbildung
2. 3. Bildungsangebote im Netz
2. 3. 1. Kommunikation
2. 3. 2. Lerncommunities
2. 3. 3. WBT - web based training
2. 4. Zusammenfassung
3. Modelle und Elemente für das Onlinelernen
3. 1. Grundformen des Telelernens
3. 1. 1. Selbstorganisiertes Onlinelernen
3. 1. 2. Teletutoring
3. 1. 3. Teleteaching
3. 2. Didaktische Modelle für das Onlinelernen
3. 2. 1. Behavioristisches Modell
3. 2. 2. Konstruktivistisches Modell
3. 2. 3. Instruktionsdesign der zweiten Generation
3. 2. 4. Learning cycle
3. 2. 5. Gruppenlernen online und die fünf K's
3. 3. Methodische Elemente
3. 3. 1. Inhaltliche Elemente
3. 3. 2. Kommunikative Elemente
3. 4. Zusammenfassung
4. Internetbildung mit Barrieren
4. 1. Barrierefreies Internet
4. 1. 1. Individuelle Barrieren
4. 1. 2. Richtlinien der WAI
4. 2. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen
4. 2. 1. Ist Barrierefreiheit ökonomisch?
4. 2. 2. Gesetzliche Rahmenbedingungen
4. 3. Internet und Blinde - ein Thema für die Bildung?
4. 3. 1. Weiterbildung für Blinde
4. 3. 2. Online-Weiterbildung für Blinde
4. 4. Zusammenfassung
5. Fazit
6. Literatur

1. Einleitung

Erste Angebote zum Online-Lernen tauchen inzwischen in allen Bildungsbereichen auf. Beschrieben wird im Folgenden der Einsatz in der Weiterbildung. Fernunterricht wurde in der Vergangenheit fast ausschließlich im universitären Bereich angeboten. Inzwischen tragen die neuen technischen Möglichkeiten zur Erweiterung der Einsatzgebiete bei. Die schnelle Datenübermittlung macht es heute auch für Unternehmen interessant, Telearbeit zur Aus- und Fortbildung ihrer Mitarbeiter einzusetzen. Den Hintergrund hierfür bildet die Forderung nach lebenslangem Lernen. Das in der Ausbildung erworbene Wissen veraltet immer schneller und muss während der Berufstätigkeit kontinuierlich erweitert bzw. erneuert werden. Für Unternehmen bietet das Lernen aus dem Netz unter Umständen eine kostengünstige Möglichkeit, dem Mitarbeiter die erforderlichen Inhalte zu vermitteln. Da direkt am Arbeitsplatz gelernt werden kann, reduzieren sich Abwesenheitszeiten für Weiterbildungsmaßnahmen. Auch höhere Teilnehmerzahlen an der gleichen Fortbildung sind möglich.

Beim Telelernen können in der Regel die Kompetenzen erworben werden, die für einen späteren Telearbeitsplatz notwendig sind. Hierzu zählen der Umgang mit den neuen Informations- und Kommunikationsmedien sowie die Fähigkeit zum selbstständigen, selbstgesteuerten Lernen und Arbeiten. Eine Reihe von Berufsbildungswerken und Berufsförderungswerken hat ihr Angebot bereits hiernach ausgerichtet. Um den Schülern den Zugang zu Telearbeitsplätzen zu erleichtern, bieten sie computergestützte Lernmöglichkeiten (Lernsoftware, elektronische Nachschlagewerke, Internetschulungen u. ä.) an.

Auf eine lange Tradition im Fernunterricht kann die Fernuniversität Hagen zurückblicken. Seit annähernd 30 Jahren können Studenten, die aus beruflichen, familiären oder gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage sind, ein Präsenzstudium durchzuführen, hier einen Hochschulabschluss erwerben. Auch Weiterbildungsangebote umfasst mittlerweile das Fernkursmaterial der Fernuniversität Hagen. Einige Fachbereiche bieten in der Zwischenzeit die Möglichkeit, Kurse über das Internet zu belegen. Dem Beispiel aus Hagen sind in den letzten Jahren viele Hochschulen gefolgt. In zahlreichen Projekten wird die Anwendung von Telelearning erprobt, Lernsoftware wird entwickelt oder entsprechende Lehr- und Lernmethoden werden ausgearbeitet. Gleiches gilt für die Fachhochschulen.

Ein weiteres Beispiel ist die 1995 gegründete Tele-Akademie der FH Furtwangen. Sie beschäftigt sich mit der Entwicklung und Durchführung internetbasierter Lehre. Die Kurse richten sich nicht nur an Studenten, sondern an alle Personen, die sich weiterqualifizieren wollen. Außerdem dient ihre Arbeit der Information von Anbietern von Tele-Learning-Projekten. Für behinderte Menschen kann die Weiterentwicklung und Umsetzung dieser Projekte neue Qualifizierungschancen im Hochschulbereich und dem gesamten Arbeitsmarkt bedeuten - denn zumindest räumliche Barrieren spielen dann keine Rolle mehr. Ein spezielles Kursangebot für blinde und sehbehinderte Menschen wird bereits von der Fernuniversität Hagen ausgearbeitet. Die Unterlagen für eine Reihe von Kursen werden in unterschiedlichen medialen Versionen zur Verfügung gestellt. Ist es allerdings ausreichend, Medien zu konvertieren und das Internet barrierefrei zu gestalten, um dieser Personengruppe Online-Lernen zu ermöglichen, oder muss nicht auch an dieser Stelle dem besonderen Förderbedarf blinder Menschen Rechnung getragen werden?

Das Kapitel 2 beschreibt einführend die Entstehung des Internets und geht dabei auf die Regeln und Protokolle der einzelnen Dienste ein, denn nur Standards ermöglichen es einer möglichst großen Zahl an Nutzern, Angebote gleichermaßen zu nutzen. Die Herausforderung der Weiterbildung besteht in der Schaffung von Voraussetzungen zur Identifizierung geeigneter relevanter Informationen und entsprechendem Wissen. Neben den traditionellen Weiterbildungsangeboten bieten nun auch Reiseveranstalter und andere Dienstleister Bildung im Internet an. Es entstehen Lerncommunities oder WBT-Angebote, die sowohl synchrone als auch asynchrone internetbasierte Kommunikationsformen bereitstellen.

Um dem netzbasierten Lernen eine Begriffsdefinition zur Seite zu stellen, erfolgt in Kapitel 3 eine Definition von Meder 1996, die für das Lernen in netzbasierten Lernumgebungen gelten kann und damit für diese Arbeit geeignet ist. Grundsätzlich lassen sich die Formen selbstorganisiertes Onlinelernen, Teletutoring und Teleteaching voneinander unterscheiden. In Kapitel 3. 1. werden die wesentlichen Differenzen benannt. Im Folgenden werden Lerntheorien und ihr Bezug zum Onlinelernen analysiert. Hierbei wird herausgestellt, dass der behavioristische Lernansatz inzwischen durch einen konstruktivistischen Ansatz abgelöst wurde, der im Wesentlichen auf Eigenaktivität, Selbststeuerung und Kooperation des Lerners verweist. Nachfolgend wird der Ansatz des Instruktionsdesigns der zweiten Generation benannt, der wesentliche konstruktivistische Elemente aufgreift und eine Verbindung von offenem Lernangebot mit instruktionalen Komponenten herstellt.

In Wolf kann ein Vertreter gesehen werden, der die auf Instruktion basierenden Lernumgebungen hinter sich lassen möchte, daher führt er die so genannten fünf K€™s des Gruppenlernens in einer webbasierten Lernumgebung ein. Um eine systematische Struktur der kommunikativen und inhaltlichen Elemente in Online-Lernumgebungen zu präsentieren, werden diese beiden Elemente in Kapitel 3. 3. ausführlich dargestellt.

Gerade weil anzunehmen ist, dass internetbasierte Weiterbildung zukünftig einen, wenn auch noch prozentual geringen Platz in unserer Gesellschaft einnehmen wird, soll im Kapitel 4 der Frage nachgegangen werden, inwiefern bestehende Barrieren blinde Nutzer an der Teilnahme von internetbasierter Weiterbildung hindern.

Bereits die in Deutschland geltende Definition von Blindheit zeigt, dass Blindheit nicht unbedingt als der völlige Verlust des Sehvermögens dargestellt werden kann, somit ergeben sich allein für diese Nutzergruppe unterschiedliche Voraussetzungen zur Teilnahme an Internetveranstaltungen. Blindheit liegt vor, wenn das Augenlicht vollständig fehlt, die Sehschärfe auf dem besseren Auge nach optischer Korrektur höchstens 2,0 % (Visus 0,02 = 1/50) beträgt oder Störungen des Sehvermögens vorliegen die dieser Beeinträchtigung gleichkommen (vgl. Pfau, 2000, S. 20).

Bei den vielfältigen Internetangeboten ist es nicht leistbar, in solch einer Arbeit die Barrieren in all ihren Ausprägungen vollständig darzustellen. Daher findet eine Beschränkung auf die so genannte Pixel-, Maus- und Grafikbarriere statt, die so 1995 von Bölke erstmals formuliert wurden. Die Belange sehbehinderter Nutzer finden in dieser Arbeit nur marginale Erwähnung, da - wie die Ausdifferenzierung der Behindertenpädagogik in Blinden- und Sehbehindertenpädagogik zeigt - für jede dieser beiden Gruppen unterschiedliche Förderkonzepte angeboten werden müssen. Dieses spiegelt sich ebenso wie beispielsweise im Schulsportunterricht oder bei dem Umgang mit Schrift auch in den subjektiv je unterschiedlich wahrgenommenen Barrieren im Internet wider.

Der Begriff Barrierefreiheit hat, nachdem er bereits von dem höchsten Internetgremium, des W3C, in dessen Richtlinien zur Gestaltung von Webinhalten geprägt wurde, auch Eingang in die Deutsche Gesetzgebung gefunden. Nachdem nun nicht mehr einzelne Behinderungsgruppen für jedes neue Webangebot Ihre Wünsche bezüglich der Gestaltung vortragen müssen, kann also zum heutigen Stand auf Richtlinien und darauf fußende Verordnungen des Bundes verwiesen werden. Dem Behindertenbundesgleichstellungsgesetz kann bezüglich nicht Bundesangehöriger Internetpräsenzen bislang nur ein appellativer Charakter bescheinigt werden. Inwieweit Bildungsträger in der Lange sein werden, diese Verordnung umzusetzen, und in welchem Zeitraum dieses geschieht, kann momentan noch nicht abgeschätzt werden.

Um einordnen zu können, inwiefern internetbasierte Weiterbildung für Blinde nutzbar ist, wird in Kapitel 4. 3. 1 das Blindenbildungssystem beschrieben. Es wird deutlich, dass Weiterbildung bislang lediglich für diese Personengruppe besonderen Institutionen zugeordnet war. Ausnahmen bilden Seminare und Kurse von Selbsthilfevereinigungen oder beispielsweise der Fernuniversität Hagen. Das Kapitel 4. 3. 2 stellt dar, in welcher Weise die in den vorangegangenen Kapiteln vorgestellten Inhalte und Kommunikationsformen von blinden Internetnutzern genutzt werden können. Abschließend kann festgehalten werden, dass zwar die Nutzung der verschiedenen Internetdienste auch für Blinde möglich ist, allerdings immer noch mit einer Vielzahl an Barrieren behaftet ist. Internetbasierte Weiterbildung kann also nur mitgenutzt werden, wenn nicht nur technische Hürden überwunden werden, sondern auch - so der momentane Stand - viel Eigenengagement der einzelnen Teilnehmenden geleistet wird.

Zu der in dieser Arbeit verwendeten Form sei an dieser Stelle angemerkt, dass auf die politisch korrekte "NutzerInnen"-Schreibweise bewusst zugunsten einer besseren Lesbarkeit des Textes verzichtet wurde, doch selbstverständlich gelten die Aussagen über User im allgemeinen auch für Userinnen.



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